n

Europäische Spiritualität erleben

Tag: Thors Hammer

Thors Hammer und die Riesen

In unserem Shop hat es eine Neuerung gegeben: Die Thorshammer-Amulette haben jetzt Namen! Bis jetzt wurden sie einfach als „Mjöllnir“ bezeichnet, und die automatische Sortierung ließ sehr zu wünschen übrig. Nun ist das besser. Die Modelle, die sich auf historische Vorbilder stützen, sind entsprechend benannt. Fast alle  anderen tragen jetzt die altnordischen Namen von Riesen.

Bronzeguss MjoellnirVon Riesen wird in den alten Schriften viel berichtet. Unsere Hammer-Auswahl trägt jetzt ihre Namen, weil Thor mit seinem Mjöllnir sozusagen Fachmann für die urgewaltigen Kräfte ist, die sich in den Riesennamen wiederfinden: Mit der Brüller, Lärmer, Schreier, der Gierige, Greifende, der Schwerfällige, der Staubige, Schmutzige, aus der Erde Stammende, der Schreckliche, der Vernichter, der Schwarze, Brennende, Feurige sind einige der Namen zu übersetzen. Andere Namen, die sich auf Äußerlichkeiten wie dick, dünn, bärtig, maskiert, glänzend, blind, krumm, dunkel und hell beziehen, sind natürlich besonders gut geeignet, um sie mit den Gestaltungsmerkmalen der Hämmer zu verbinden. Und keine Sorge, es gibt kein Thorshammer-Amulett, das jetzt den Namen „Der Verhasste“ oder „Der Dumme“ heißt, wir haben schon tragbare Namen gewählt! 😉

Die Namen der Riesinnen sind häufig so unvorteilhaft, dass wir sie nicht benutzt haben: die Betrübte, Gefährliche, Hässliche, Trampelnde, Großohrige, Hängelippige und ähnlich Uncharmantes. Eigentlich ist das verwunderlich, denn es gibt etliche Geschichten, in denen sich Götter um die Gunst von Riesinnen bemühen und sie zur Frau nehmen. Es ist offensichtlich nicht so, dass sich die Götter um Rassentrennung sorgen. Das wäre auch seltsam, denn laut Snorra-Edda stammen ursprünglich auch die ersten Götter Odin, Vili und Vé von Riesen ab, so der Schöpfungsmythos in der Gylfaginning. Aus dem im Ginnungagap aus Feuer und Eis entstandenen und von der Urkuh Auðumla genährten Urriesen Ymir ist die Welt von ihnen erschaffen worden. Doch wie gut auch immer die Ehen zwischen Göttern und Riesinnen verlaufen, so wenig vorteilhaft erscheint andersherum den Göttinnen eine Beziehung mit Riesen. Immer wieder versuchen jene, durch Listen, Tricks und Gewalt an die Göttinnen heranzukommen, sogar durch den Raub von Thors Mjöllnir, aber vielleicht ist den Göttinen die Vorstellung von einem chaosreichen Leben in den wüsten Welten der Riesen zu unangenehm?

Die Götter verkörpern das ordnende Prinzip, das Lebenswelten wie Miðgarðr (=“Wohnort in der Mitte“) und Ásgarðr (=“Heim der Asen“) schafft, und die Riesen toben in Útgarðr (=“Außenwelt“) herum. Zur nordischen Kosmologie gehören laut Snorri zudem die Welten Muspellsheim, in der die Feuerriesen leben, und Jötunheim, Wohnort der Jötnar. Jötunn ist eine ursprüngliche Bezeichnung für Riese, die nicht den abwertenden Klang wie die Begriffe Thurse und Troll hat. Anscheinend sind der Meeresriese Ägir ebenso wie Mímir, der Hüter des Weisheitsbrunnens, Partner der Götter, so dass wir darauf schließen können, dass Respekt und Weisheit über das riesische Chaos Oberhand gewinnen können.

Wenn in den Wintermonaten die Reifriesen die Herrschaft über uns anstreben oder im Sommer die Gewitterwalzen mit Riesenmacht toben, wird deutlich, dass die Riesen immer wieder aus ihren Welten in unsere eindringen wollen. Verlassen wir uns auf den Riesenbekämpfer Thor bzw. Donar, der sie mit seinem Hammer Mjöllnir immer wieder in ihre Schranken weist, wie mächtig sie mit ihren Namen auch erscheinen wollen!

Thors Hammer

kleiner Abstand

Hammer-Amulette bei den Wikingern

amulett in form eines kleinen hammers aus bronzeDas Bild zeigt eine Nachbildung eines Fundes aus Haithabu bei Schleswig. Das Original befindet sich im dortigen Museum. Auf dem Gelände der alten Wikingerstadt wurden mehrere Hammeramulette sowie Formen zur Herstellung gefunden.

Der Thorshammer ist die wohl bekannteste Form von Wikingerschmuck aus vorchristlicher Zeit. Diese magische Waffe trägt den Namen „Mjöllnir“ und wird auch als Mjölnir, Mjolnir, Mjölner, Mjølner oder Mjölnar bezeichnet, was etwa „Zermalmer“, „Blitz“ oder auch „glänzende Blitzwaffe“ bedeutet. Von den Zwergen Sindri und Brokkr geschmiedet, gilt Mjöllnir als das wesentliche Attribut des Gottes Thor. Er kämpft damit gegen die Riesen, also gegen die zerstörerischen und chaotischen Urkräfte. Im übertragenen Sinn sorgt Thor somit für Ordnung – eine bei Menschen sehr beliebte Eigenschaft. Beim Werfen des Hammers wird Blitz und Donner erzeugt, daher auch der südgermanische Name Donar oder die Bezeichnung „Donnerer“ für Thor.

Einige Darstellungen von Thors Hammer sehen tatsächlich wie kleine Werkzeuge aus. Vielfach jedoch ähnelt die Form nicht den bekannten Hämmern, sondern weist eine Unverhältnismäßigkeit zwischen Stiel und Kopf auf. Wie es dazu kommt, versuchen Geschichten aus den Eddas zu erklären. Eine davon spielen die Handpuppen Ask und Embla gern auf Märkten, nämlich die Geschichte vom Schmieden des Hammers durch Zwerge.

Während der Wikingerzeit wurde dieser Hammer dann fast schon inflationär genutzt. Thors Hammer als Symbol ist aber keineswegs nur eine Waffe, sondern dient auch als Weihegerät und wurde früher wahrscheinlich auch für Fruchtbarkeitsriten und Ehesegnungen verwendet. Bereits auf skandinavischen Felsbildern der Bronzezeit lassen sich mehrfach Hammersymbole entdecken, möglicherweise ein früher Hinweis auf die kultische Funktion dieses Werkzeugs. „Thor weihe diese Runen“ ist auf mehreren Runensteinen zu lesen und noch häufiger wurde anstatt dessen einfach ein Hammer abgebildet.

Die prächtigen Repliken aus Silber, mit denen sich viele Wikingerdarsteller schmücken, entsprechen zwar musealen Vorbildern, doch stammen diese erst aus der Zeit, als kunstvoll verzierte Kreuze als Schmuck von reichen Christen vermehrt getragen wurden. Ältere Hammer-Amulette sind oft klein und schlicht aus Eisen oder Bronze. (Oder aus Holz? Mehr dazu hier. Nebenbei bemerkt war das Material lange Zeit teurer als die Arbeitszeit, heute ist es oft umgekehrt.) Thorshämmer wurden dem christlichen Kreuz nun als heidnisches Symbol entgegengesetzt, wobei die meisten dieser Stücke von Archäologen in Frauengräbern gefunden wurden.

Es gibt Untersuchungen, durch die anhand des Auftretens von Thorshammer- und Kreuzamuletten in archäologischen Funden Rückschlüsse auf die Ausbreitung des Christentums gezogen wird. Ein streitbares Thema ist dabei allerdings, welche Formen der Funde noch als Hammer oder schon als Kreuz zu definieren sind.

kleiner Abstand

Hammer und Übergangsformen

Einige Formen des Thorhammers habe Ähnlichkeit mit Kreuzen, so etwa der isländische Wolfshammer und Teile des sogenannten Hiddensee-Schatzes. Bei letzterem wir spekuliert, ob die Doppelkreuzformen nicht schon christliche Darstellungen sind, weil ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Christianisierer Harald Blauzahn dafür spricht. Dagegen spricht die gestalterische Verwandschaft mit dem berühmten Thorhammer aus Schonen in Südschweden, denn beide haben einen ähnlichen Vogel-Kopf. Zusätzlich fand man in den Hinterlassenschaften der Wikingerstadt Haithabu Modeln (Grundformen zum Anfertigen aufwändiger Schmuckstücke) mit der gleichen Doppelkreuz-Form. Vielleicht war sie einfach ein gebräuchliches Muster im westlichen Ostseeraum.

model hiddensee schonen

Der isländische Wolfshammer wird auch von der Wikinger-Handpuppe Ask getragen, und er behauptet, das dieses Stück gerade der Renner auf Island sei. Dort seien neuerdings alle zum christlichen Glauben übergetreten und deshalb hätte Ask es bei seiner letzten Handelsreise mit seinen Geschäftspartnern schwer gehabt, denn er hätte bis dahin einen klassisch-heidnischen Hammer wie seine Frau Embla getragen. Mit diesem neuen Amulett aber sei er immer korrekt gekleidet gewesen, denn man könne es sowohl als Thorshammer als auch umgedreht als Kreuz tragen! Glauben wir seiner Geschichte, bis sie widerlegt ist:-)

islandwolfshammer haithabuhammer

Auf ein friedliches Nebeneinander von Thorshammer und Kreuz deuten die Gussformen unter anderem aus Haithabu hin. In ihnen konnten sowohl Hämmer als auch Kreuze gegossen werden, je nach Kundenwunsch. Außerdem fand man dort auch einen Hammer, der eine kreuzförmige Punzierung eingearbeitet hat. Für die Heiden kam es auf einen Gott mehr oder weniger ja nicht so an, also konnte man sich auch das Symbol des neuen Gottes hinzufügen. Das mit dem Monotheismus schien sich noch nicht so erklärt zu haben.

Bis heute hat Mjöllnir nichts von seiner Faszination eingebüßt. Man trägt ihn, um kulturelle Verbundenheit zu zeigen, um für Stärke, Kraft und Ordnung im Leben zu sorgen, als Symbol des toleranten, germanischen Heidentums und sicher nicht zuletzt auch, um einen der beliebtesten germanischen Götter zu verehren.

Botschaften aus der Vergangenheit

Was wir über die Kulturen vor unserer Zeit wissen, verdanken wir oft den Funden und der Interpretation der Archäologen. Verzierte Töpferwaren, Metallgegenstände und manchmal auch Holzfragmente sind die häufigsten Zeugen dieser Kulturen. Dazu kommen speziell im Ostseeraum die mit Runen und bildlichen Darstellungen versehenen Steine. Durch diese Gegenstände wissen wir auch um die Symbolik unserer Vorfahren und können aus diesen Funden Rückschlüsse über Kulte und Spiritualität ziehen.

Symbolvitrine

Doch müssen wir uns fragen, wer von den Menschen der Vergangenheit denn wohlhabend genug für den Erwerb eines Gegenstandes wie beispielsweise eines Amulettes aus Metall war. Dieses nicht jedem zur Verfügung stehende Material wurde schließlich auch für Alltäglichkeiten wie Werkzeuge und ähnliches gebraucht. Selbst zur Anfertigung eines feinen Schmucks auch aus leicht verfügbarem Material bedarf es eines gewissen Luxus, weil man neben der täglichen Arbeit noch Zeit (und Licht) haben muss. Selbst gewebte Borten oder Stickereien waren daher nicht selbstverständlich vorhanden. Einige der uns überlieferten Funde setzen ein derartiges Handwerkskönnen voraus, dass anzunehmen ist, dass sie von spezialisierten Berufsständen angefertigt wurden, deren Arbeit man mit Tauschmitteln erhandeln konnte.

Wenn also etwas an Zeit oder Tauschwaren übrig war für Schmuckstücke, dann hatten diese eine große Bedeutung, und die ist oft mit dem Kult verbunden worden. Was wir von diesen Stücken dann finden, ist eine der Grundlagen für Rückschlüsse auf die Glaubenswelt unserer Vorfahren.

vitrine mit miniatur-hammer

Dabei muss man aber bedenken: Viel häufiger als (Edel-)Metalle werden die Menschen Holz, Knochen und Horn für ihre schmückenden Dinge verwendet haben. Diese Materialien haben selten so viele Jahrhunderte überdauert, um von uns noch erkannt zu werden. Unser Blickwinkel ist daher sehr eingeengt, was die Zeugnisse über symbolische Gegenstände betrifft. Immerhin hat es Brisingamen, der berühmte Schmuck, der meist Freya zugesprochen wird, zu einer literarischen Verewigung in der Edda geschafft.

Heute leben wir in einer Zeit, in der auch Edelmetall zu kurzlebigem Modeschmuck verarbeitet wird. Erstaunlicherweise haben die alten Formen unserer Vorfahren immer noch Wirkung auf uns. „Es hat zu mir gesprochen“ oder „Es ist in sich einfach harmonisch“ sind Reaktionen auf die Stücke, die wir als originalgetreue Repliken oder neue Entwürfe nach alten Motiven anbieten. Zur Interpretation der Bedeutung von solchen Amuletten und Replikaten können wir also auch die unmittelbare Wirkung auf uns heute zu Rate ziehen. Dazu kommen dann Erkenntnisse, die die Forschung beispielsweise von Motiven wie auf dem Kessel von Gundestrup, von Schnitzereien an den Funden von Oseberg oder von sich bis heute erhaltenen, tiefwurzelnden Traditionen wie Pferdeköpfen auf norddeutschen Bauerhäusern erhält. In jedem Fall können sie heute noch Ausdruck von spiritueller Symbolik sein.

Erstellt mit Wordpress 4.6.6 - optimiert für Firefox
Anpassung und Design: Lilia Seidel - WitchWay     ◊     Template basiert auf nature
© Neunholz 2009
SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline