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Europäische Spiritualität erleben

Tag: Frigg

Von Gottheiten und Hochsitzen

kleines Objekt aus Silber in Form eines Lehnstuhles mit VogelverzierungenBei Grabungen in Haithabu fand sich in einem Frauengrab des Südgräberfeldes ein ca. 1,5 cm hohes Objekt, das einen breiten Thron darstellen könnte. Dieser Miniaturthron ist in der neuen Ausstellung des Wikingermuseums zu sehen. Ein Draht befestigt ihn freischwebend. Er scheint Lehnen für Arme und Rücken zu haben. Diese Lehnen weisen Verzierungen auf, die als zwei auf den Lehnen sitzende Vögel interpretierbar sind. Im hinteren Teil der mutmaßlichen Sitzfläche befindet sich ein kleines Loch, und es ist vorstellbar, dass einst eine kleine Figur existierte, die mit einem Zapfen im Loch befestigt auf der Sitzfläche Halt fand.

Die Vitrine ist unter der Überschrift „Nordische vorchristliche Religion“ im Ausstellungsraum mit dem Thema „Haithabu – Schauplatz der Macht“ platziert. Es gibt wenige archäologische Funde von ähnlichen Sitzmöbeln, die Vorlage für diese Miniatur gewesen sein können. Solche großen und aufwändigen Thronsessel waren wohl nicht alltäglich. In den von mehreren Menschen gemeinsam genutzten Räumen war ein solcher Hochsitz Zeichen des sozialen Ranges, und die Miniaturdarstellung eines solchen als kostbare Grabbeigabe ist vermutlich Ausdruck einer spirituellen Vorstellung.

Vor zwei Jahren wurde bei Grabungen des Museums Roskilde diese Figur gefunden, die seitdem unter dem Namen „Odin aus Lejre“ bekannt wurde. In dem Video, das das Roskilde Museum bei You Tube eingestellt hat, ist sehr gut zu sehen, wie außerordentlich fein diese nicht mal 2 cm hohe Miniatur von allen Seiten gearbeitet ist:

Im Gegensatz zu der Miniatur aus Haithabu ist hier keine Fehlinterpretation möglich: Es ist ein kunstvoll verzierter Thron. Auf den Armlehnen befinden sich zwei Vögel. Aber wer sitzt denn nun auf dem Hochsitz aus Lejre?

Die Person trägt ein langes Gewand mit einer Art Schürze, einen Mantel und eine randlose Kopfbedeckung. Detaillierte Verzierungen lassen sich als reichen Hals- und Kettenschmuck interpretieren. Wahrscheinlich bildet diese Figur eine hochgestellte Persönlichkeit, wenn nicht gar eine Gottheit ab. Die beiden Verzierungen der Rücklehne stellen Tierköpfe dar, die als Wölfe gedeutet werden können. Und wo sich zu zwei Rabenvögeln zwei Wölfe gesellen, da ist Odin nicht weit. So die schnelle Interpretation. Außerdem hat die Figur aus Lejre anscheinend nur ein Auge! (Wenn das eine Auge bereits zu früherer Zeit umgestaltet wurde und nicht erst durch das Alter und die Erhaltungsbedingungen beschädigt ist.) Keine Frage, da der einäugige Odin in Asgard etwas zu sagen hat, steht ihm ein prunkvoller Hochsitz wohl zu. Und eine Darstellung als Miniatur in vergoldetem Silber mit Niello-Einlage zur Verzierung seiner Schürze.

Moment mal – bei so viel Liebe zum Detail kann das lange Gewand doch kein Zufal sein! Wie war denn die Göttermode zur Wikingerzeit? Wo trug Odin seinen Ring Draupnir? War es ein Halsring, kein Armring? Vielleicht ist das fehlende Auge doch nur durch das Alter des Fundstückes zu erklären. Und die schmuckartige Verzierung auf der Brust, die sieht doch aus wie prächtiger wikingerzeitlicher Frauenschmuck… Und schon haben wir die Verbindung zu einer weiblichen Gottheit mit berühmtem Schmuck: Freya und ihr Brisingamen! Als Anführerin der Walküren hat sie ein Anrecht auf die Hälfte der gefallenen Kämpfer, daher könnten auf ihrem Hochsitz auch Raben sitzen. Aber hat Freya in ihrer Halle Sessrumnir in Folkwang tatsächlich einen eigenen Hochsitz? Ist der Thron nicht doch der berühmte Hliðskjálf Odins, von dem aus er über die ganze Welt sehen kann bzw. von dem aus eine überirdische Seiðr-Schau möglich ist? Wenn dieser prächtige Hochsitz doch der von Odin ist, dann kann es nur eine Frau sein, die ein Recht darauf hat, darauf Platz zu nehmen: Frigg! Allerdings gibt es auch von anderen Frauen auf Hochsitzen Berichte, nämlich von zauberischen Seherinnen (Seiðkonur), die von einem hochsitzartigen Schaugerüst (Seiðhjallr) aus ihre Vorhersagen trafen. Und dann war da doch noch die Geschichte von Thor und Loki in Frauenkleidern

Es ist also gar nicht so einfach festzustellen, um wen es sich bei dieser Figur handelt. Dass es eine Gottheit abbildet, ist wahrscheinlich. Alles andere bleibt Interpretation.

kleines Objekt aus Silber in Form eines Lehnstuhles mit darauf sitzender Gestalt

Es gibt allerdings eine weitere Möglichkeit zur „Wahrheitsfindung“: Wir bieten jetzt eine Nachbildung dieses Fundes im Asatru-Shop an, und da diese als Amulett zu tragen ist, steht einer „direkten Begegnung“ nichts mehr im Wege. Wenn also jemand beim Tragen dieser Figur einen Eindruck davon bekommt, um wen es sich bei dieser Abbildung handeln könnte, dann würden wir gern über diese Erfahrung informiert werden!
Der Klick auf das Bild führt zum Artikel im Shop. Diese Nachbildung ist auch in Bronze erhältlich.

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