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Europäische Spiritualität erleben

Kategorie: Symbole, Amulette und Talismane

Von Gottheiten und Hochsitzen

kleines Objekt aus Silber in Form eines Lehnstuhles mit VogelverzierungenBei Grabungen in Haithabu fand sich in einem Frauengrab des Südgräberfeldes ein ca. 1,5 cm hohes Objekt, das einen breiten Thron darstellen könnte. Dieser Miniaturthron ist in der neuen Ausstellung des Wikingermuseums zu sehen. Ein Draht befestigt ihn freischwebend. Er scheint Lehnen für Arme und Rücken zu haben. Diese Lehnen weisen Verzierungen auf, die als zwei auf den Lehnen sitzende Vögel interpretierbar sind. Im hinteren Teil der mutmaßlichen Sitzfläche befindet sich ein kleines Loch, und es ist vorstellbar, dass einst eine kleine Figur existierte, die mit einem Zapfen im Loch befestigt auf der Sitzfläche Halt fand.

Die Vitrine ist unter der Überschrift „Nordische vorchristliche Religion“ im Ausstellungsraum mit dem Thema „Haithabu – Schauplatz der Macht“ platziert. Es gibt wenige archäologische Funde von ähnlichen Sitzmöbeln, die Vorlage für diese Miniatur gewesen sein können. Solche großen und aufwändigen Thronsessel waren wohl nicht alltäglich. In den von mehreren Menschen gemeinsam genutzten Räumen war ein solcher Hochsitz Zeichen des sozialen Ranges, und die Miniaturdarstellung eines solchen als kostbare Grabbeigabe ist vermutlich Ausdruck einer spirituellen Vorstellung.

Vor zwei Jahren wurde bei Grabungen des Museums Roskilde diese Figur gefunden, die seitdem unter dem Namen „Odin aus Lejre“ bekannt wurde. In dem Video, das das Roskilde Museum bei You Tube eingestellt hat, ist sehr gut zu sehen, wie außerordentlich fein diese nicht mal 2 cm hohe Miniatur von allen Seiten gearbeitet ist:

Im Gegensatz zu der Miniatur aus Haithabu ist hier keine Fehlinterpretation möglich: Es ist ein kunstvoll verzierter Thron. Auf den Armlehnen befinden sich zwei Vögel. Aber wer sitzt denn nun auf dem Hochsitz aus Lejre?

Die Person trägt ein langes Gewand mit einer Art Schürze, einen Mantel und eine randlose Kopfbedeckung. Detaillierte Verzierungen lassen sich als reichen Hals- und Kettenschmuck interpretieren. Wahrscheinlich bildet diese Figur eine hochgestellte Persönlichkeit, wenn nicht gar eine Gottheit ab. Die beiden Verzierungen der Rücklehne stellen Tierköpfe dar, die als Wölfe gedeutet werden können. Und wo sich zu zwei Rabenvögeln zwei Wölfe gesellen, da ist Odin nicht weit. So die schnelle Interpretation. Außerdem hat die Figur aus Lejre anscheinend nur ein Auge! (Wenn das eine Auge bereits zu früherer Zeit umgestaltet wurde und nicht erst durch das Alter und die Erhaltungsbedingungen beschädigt ist.) Keine Frage, da der einäugige Odin in Asgard etwas zu sagen hat, steht ihm ein prunkvoller Hochsitz wohl zu. Und eine Darstellung als Miniatur in vergoldetem Silber mit Niello-Einlage zur Verzierung seiner Schürze.

Moment mal – bei so viel Liebe zum Detail kann das lange Gewand doch kein Zufal sein! Wie war denn die Göttermode zur Wikingerzeit? Wo trug Odin seinen Ring Draupnir? War es ein Halsring, kein Armring? Vielleicht ist das fehlende Auge doch nur durch das Alter des Fundstückes zu erklären. Und die schmuckartige Verzierung auf der Brust, die sieht doch aus wie prächtiger wikingerzeitlicher Frauenschmuck… Und schon haben wir die Verbindung zu einer weiblichen Gottheit mit berühmtem Schmuck: Freya und ihr Brisingamen! Als Anführerin der Walküren hat sie ein Anrecht auf die Hälfte der gefallenen Kämpfer, daher könnten auf ihrem Hochsitz auch Raben sitzen. Aber hat Freya in ihrer Halle Sessrumnir in Folkwang tatsächlich einen eigenen Hochsitz? Ist der Thron nicht doch der berühmte Hliðskjálf Odins, von dem aus er über die ganze Welt sehen kann bzw. von dem aus eine überirdische Seiðr-Schau möglich ist? Wenn dieser prächtige Hochsitz doch der von Odin ist, dann kann es nur eine Frau sein, die ein Recht darauf hat, darauf Platz zu nehmen: Frigg! Allerdings gibt es auch von anderen Frauen auf Hochsitzen Berichte, nämlich von zauberischen Seherinnen (Seiðkonur), die von einem hochsitzartigen Schaugerüst (Seiðhjallr) aus ihre Vorhersagen trafen. Und dann war da doch noch die Geschichte von Thor und Loki in Frauenkleidern

Es ist also gar nicht so einfach festzustellen, um wen es sich bei dieser Figur handelt. Dass es eine Gottheit abbildet, ist wahrscheinlich. Alles andere bleibt Interpretation.

kleines Objekt aus Silber in Form eines Lehnstuhles mit darauf sitzender Gestalt

Es gibt allerdings eine weitere Möglichkeit zur „Wahrheitsfindung“: Wir bieten jetzt eine Nachbildung dieses Fundes im Asatru-Shop an, und da diese als Amulett zu tragen ist, steht einer „direkten Begegnung“ nichts mehr im Wege. Wenn also jemand beim Tragen dieser Figur einen Eindruck davon bekommt, um wen es sich bei dieser Abbildung handeln könnte, dann würden wir gern über diese Erfahrung informiert werden!
Der Klick auf das Bild führt zum Artikel im Shop. Diese Nachbildung ist auch in Bronze erhältlich.

Thors Hammer und die Riesen

In unserem Shop hat es eine Neuerung gegeben: Die Thorshammer-Amulette haben jetzt Namen! Bis jetzt wurden sie einfach als „Mjöllnir“ bezeichnet, und die automatische Sortierung ließ sehr zu wünschen übrig. Nun ist das besser. Die Modelle, die sich auf historische Vorbilder stützen, sind entsprechend benannt. Fast alle  anderen tragen jetzt die altnordischen Namen von Riesen.

Bronzeguss MjoellnirVon Riesen wird in den alten Schriften viel berichtet. Unsere Hammer-Auswahl trägt jetzt ihre Namen, weil Thor mit seinem Mjöllnir sozusagen Fachmann für die urgewaltigen Kräfte ist, die sich in den Riesennamen wiederfinden: Mit der Brüller, Lärmer, Schreier, der Gierige, Greifende, der Schwerfällige, der Staubige, Schmutzige, aus der Erde Stammende, der Schreckliche, der Vernichter, der Schwarze, Brennende, Feurige sind einige der Namen zu übersetzen. Andere Namen, die sich auf Äußerlichkeiten wie dick, dünn, bärtig, maskiert, glänzend, blind, krumm, dunkel und hell beziehen, sind natürlich besonders gut geeignet, um sie mit den Gestaltungsmerkmalen der Hämmer zu verbinden. Und keine Sorge, es gibt kein Thorshammer-Amulett, das jetzt den Namen „Der Verhasste“ oder „Der Dumme“ heißt, wir haben schon tragbare Namen gewählt! 😉

Die Namen der Riesinnen sind häufig so unvorteilhaft, dass wir sie nicht benutzt haben: die Betrübte, Gefährliche, Hässliche, Trampelnde, Großohrige, Hängelippige und ähnlich Uncharmantes. Eigentlich ist das verwunderlich, denn es gibt etliche Geschichten, in denen sich Götter um die Gunst von Riesinnen bemühen und sie zur Frau nehmen. Es ist offensichtlich nicht so, dass sich die Götter um Rassentrennung sorgen. Das wäre auch seltsam, denn laut Snorra-Edda stammen ursprünglich auch die ersten Götter Odin, Vili und Vé von Riesen ab, so der Schöpfungsmythos in der Gylfaginning. Aus dem im Ginnungagap aus Feuer und Eis entstandenen und von der Urkuh Auðumla genährten Urriesen Ymir ist die Welt von ihnen erschaffen worden. Doch wie gut auch immer die Ehen zwischen Göttern und Riesinnen verlaufen, so wenig vorteilhaft erscheint andersherum den Göttinnen eine Beziehung mit Riesen. Immer wieder versuchen jene, durch Listen, Tricks und Gewalt an die Göttinnen heranzukommen, sogar durch den Raub von Thors Mjöllnir, aber vielleicht ist den Göttinen die Vorstellung von einem chaosreichen Leben in den wüsten Welten der Riesen zu unangenehm?

Die Götter verkörpern das ordnende Prinzip, das Lebenswelten wie Miðgarðr (=“Wohnort in der Mitte“) und Ásgarðr (=“Heim der Asen“) schafft, und die Riesen toben in Útgarðr (=“Außenwelt“) herum. Zur nordischen Kosmologie gehören laut Snorri zudem die Welten Muspellsheim, in der die Feuerriesen leben, und Jötunheim, Wohnort der Jötnar. Jötunn ist eine ursprüngliche Bezeichnung für Riese, die nicht den abwertenden Klang wie die Begriffe Thurse und Troll hat. Anscheinend sind der Meeresriese Ägir ebenso wie Mímir, der Hüter des Weisheitsbrunnens, Partner der Götter, so dass wir darauf schließen können, dass Respekt und Weisheit über das riesische Chaos Oberhand gewinnen können.

Wenn in den Wintermonaten die Reifriesen die Herrschaft über uns anstreben oder im Sommer die Gewitterwalzen mit Riesenmacht toben, wird deutlich, dass die Riesen immer wieder aus ihren Welten in unsere eindringen wollen. Verlassen wir uns auf den Riesenbekämpfer Thor bzw. Donar, der sie mit seinem Hammer Mjöllnir immer wieder in ihre Schranken weist, wie mächtig sie mit ihren Namen auch erscheinen wollen!

Drachendarstellungen bei den Wikingern

Tierdarstellungen finden sich, seit der Mensch gestalterisch zu wirken begann. Die Art der Darstellung über die Jahrtausende hinweg ist ein Forschungsgebiet, das immer wieder neu zu interpretieren ist. Uns sind erstaunlich naturalistische Darstellungen von Kulturen hinterlassen worden, denen so eine Kunstfertigkeit noch gar nicht zugetraut wurde. Andererseits erstaunt auch die Abstaktion, die beispielsweise zur Zeit der Völkerwanderung für die Tierdarstellungen als maßgeblich galt. Bei den für Wikingerschmuck verwendeten Motiven fällt die große Zahl von Fabelwesen, Drachen- und Schlangenmotiven auf.

Hier ein paar Beispiele:

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Die Darstellungen lassen sich vielleicht am ehesten verstehen, wenn man sich die mythologischen Beschreibungen der Midgardschlange anschaut. Dieses allseits gefürchtete Ungeheuer liegt einmal um Midgard – also der Welt, in der wir Menschen leben – und wenn Sie sich bewegt, erzeugt sie Naturkatastrophen, wie riesengroße Wellen auf See, Erdbeben und anderes. Nun gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Entweder bekämpfen oder verehren. Ersteres hat – wie man ja weiß – Thor versucht und ist selbst als stärkster aller Götter gescheitert. Was bleibt einem schwachen Menschen da noch übrig? Also versieht man seine Schiffe mit Drachenköpfen, trägt Drachenamulette und verziert allerlei anderen Kram mit Drachen. Natürlich in der Hoffnung, dass die Midgardschlange nun glauben würde, dass sie allseits verehrt werde und die Menschen deshalb in Ruhe lässt…

Weitere Abbildungen und Symbol-Erläuterungen finden sich in unserem Shop!

Verbotene Symbole?

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Gleich vorweg: Hakenkreuz, Schwarze Sonne & Co gibt es bei uns nicht zu erwerben, aber wir betrachten es dennoch als notwendig darüber zu informieren und das soll an dieser Stelle geschehen.
Nicht wenige Symbole aus germanischem wie auch keltischem Kulturraum wurden durch die völkische Bewegung sowie die nachfolgende nationalsozialistische Herrschaft für politische Zwecke instrumentalisiert. Das bekannteste dieser Zeichen ist sicherlich das Hakenkreuz, welches in östlicheren Regionen auch als Swastika bezeichnet wird. In Deutschland darf dieses Zeichen mit wenigen begründeten Ausnahmen öffentlich gar nicht mehr gezeigt werden, und es wird heute mehrheitlich als Symbol eines menschenverachtenden Systems gesehen, obwohl es an vielen ur- und frühgeschichtlichen Exponaten des Alltagslebens zu finden ist.

Aber auch andere Symbole, wie manche Runen, Dreiwirbel, Sonnenräder und Keltenkreuze büßten Ihre vieltausendjährige magisch-spirituelle Bedeutung zu (Un-) Gunsten politischer Gruppierungen ein und tun es auch heute noch. Wenn heute eine Organisation wegen verfassungswidriger Bestrebungen verboten wird, so folgt daraus häufig ebenfalls ein Verbot des Zurschaustellens des jeweils von dieser Organisation missbrauchten Symbols.

Bei solchen Symbolen kommt es in den allermeisten Fällen auf den jeweiligen Kontext an, in den das betreffende Symbol gesetzt ist. So wird beispielsweise das Tragen eines Anhängers mit der darauf abgebildeten Rune „Othala“ erst dann zum Straftatbestand, wenn erkennbar ist, dass es sich hierbei um eine Identifikation mit der verbotenen „Wiking-Jugend“ handelt. Diese Verbindung würde vor einem Gericht durch verschiedene Indizien hergestellt werden können. Die völkisch-ariosophisch geprägte Bezeichnung „Odalsrune“, die Nähe oder gar Mitgliedschaft zu/in einer rechtsextremistisch orientierten Gemeinschaft sowie natürlich das Tragen weiterer szenetypischer Symbole, die auf ebensolche Gesinnung hinweisen, können Indiz dafür sein.
Wir würden uns übrigens strafbar machen, wenn wir solche Zeichen an Menschen, bei denen dieser Kontext ersichtlich ist, verkaufen würden. Unabhängig davon machen wir grundsätzlich keine Geschäfte mit Nazis, Rassisten, Ariosophen, völkisch geprägten oder selbstbezeichnenden „Rechtskonservativen“, die die alte Symbolik wieder einmal für ihre Zwecke missbrauchen! Deshalb müssen sich potenzielle Kunden mit entsprechendem Auftreten schon mal die eine oder andere Frage von uns stellen lassen. Wem das nicht gefällt, kann gerne woanders einkaufen gehen!

Etwas anders verhält es sich bei der sogenannten „Schwarzen Sonne“, denn bei diesem immer wieder dargestellten Motiv, dessen Zuschaustellung zwar nicht verboten ist, handelt es sich nicht um ein wirklich altes magisch-spirituelles Symbol. Die älteste Darstellung findet sich als Bodenmosaik in der Wewelsburg im Landkreis Paderborn und wurde zwischen 1938 und 1943 im Auftrag Heinrich Himmlers von KZ-Zwangsarbeitern erbaut. Man vermutet, dass merowingerzeitliche Zierscheiben als Vorbild gedient haben könnten. Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass genau dieses Zeichen nirgends in entsprechender archäologischer Fachliteratur zu finden ist.
(vergl. „Die durchbrochenen Zierscheiben der Merowingerzeit„, D. Renner, Mainz 1970, Verlag des römisch-germanischen Zentralmuseums / Kommission R. Habelt Verlag Bonn)
Lediglich Ähnlichkeiten zu den als Frauenschmuck getragenen Zierscheiben lassen sich feststellen, doch damit ist die Herleitung einer Verbindung zur vorchristlichen nordischen Symbolik nicht im Geringsten belegbar. Schon diese stark verkürzte Beschreibung macht deutlich, dass jemand, der sich bewusst für das Symbol dieser schwarzen Sonne entscheidet, wohl nicht zu den prähistorisch, spirituell oder kulturell interessierten Menschen, sondern eher zu den Himmler-Verehrern gezählt werden muss.
Hieraus folgt die Konsequenz, dass die Schwarze Sonne nichts in unserem Symbolschmuck-Sortiment verloren hat, trotzdem (bzw. gerade weil) dieses Zeichen nicht zu den oben genannten gehört!
Sowohl Kunden als auch Lieferanten, die dieses Symbol für sich entdeckt haben, müssen daher mit entsprechenden Reaktionen von uns rechnen.

Thors Hammer

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Hammer-Amulette bei den Wikingern

amulett in form eines kleinen hammers aus bronzeDas Bild zeigt eine Nachbildung eines Fundes aus Haithabu bei Schleswig. Das Original befindet sich im dortigen Museum. Auf dem Gelände der alten Wikingerstadt wurden mehrere Hammeramulette sowie Formen zur Herstellung gefunden.

Der Thorshammer ist die wohl bekannteste Form von Wikingerschmuck aus vorchristlicher Zeit. Diese magische Waffe trägt den Namen „Mjöllnir“ und wird auch als Mjölnir, Mjolnir, Mjölner, Mjølner oder Mjölnar bezeichnet, was etwa „Zermalmer“, „Blitz“ oder auch „glänzende Blitzwaffe“ bedeutet. Von den Zwergen Sindri und Brokkr geschmiedet, gilt Mjöllnir als das wesentliche Attribut des Gottes Thor. Er kämpft damit gegen die Riesen, also gegen die zerstörerischen und chaotischen Urkräfte. Im übertragenen Sinn sorgt Thor somit für Ordnung – eine bei Menschen sehr beliebte Eigenschaft. Beim Werfen des Hammers wird Blitz und Donner erzeugt, daher auch der südgermanische Name Donar oder die Bezeichnung „Donnerer“ für Thor.

Einige Darstellungen von Thors Hammer sehen tatsächlich wie kleine Werkzeuge aus. Vielfach jedoch ähnelt die Form nicht den bekannten Hämmern, sondern weist eine Unverhältnismäßigkeit zwischen Stiel und Kopf auf. Wie es dazu kommt, versuchen Geschichten aus den Eddas zu erklären. Eine davon spielen die Handpuppen Ask und Embla gern auf Märkten, nämlich die Geschichte vom Schmieden des Hammers durch Zwerge.

Während der Wikingerzeit wurde dieser Hammer dann fast schon inflationär genutzt. Thors Hammer als Symbol ist aber keineswegs nur eine Waffe, sondern dient auch als Weihegerät und wurde früher wahrscheinlich auch für Fruchtbarkeitsriten und Ehesegnungen verwendet. Bereits auf skandinavischen Felsbildern der Bronzezeit lassen sich mehrfach Hammersymbole entdecken, möglicherweise ein früher Hinweis auf die kultische Funktion dieses Werkzeugs. „Thor weihe diese Runen“ ist auf mehreren Runensteinen zu lesen und noch häufiger wurde anstatt dessen einfach ein Hammer abgebildet.

Die prächtigen Repliken aus Silber, mit denen sich viele Wikingerdarsteller schmücken, entsprechen zwar musealen Vorbildern, doch stammen diese erst aus der Zeit, als kunstvoll verzierte Kreuze als Schmuck von reichen Christen vermehrt getragen wurden. Ältere Hammer-Amulette sind oft klein und schlicht aus Eisen oder Bronze. (Oder aus Holz? Mehr dazu hier. Nebenbei bemerkt war das Material lange Zeit teurer als die Arbeitszeit, heute ist es oft umgekehrt.) Thorshämmer wurden dem christlichen Kreuz nun als heidnisches Symbol entgegengesetzt, wobei die meisten dieser Stücke von Archäologen in Frauengräbern gefunden wurden.

Es gibt Untersuchungen, durch die anhand des Auftretens von Thorshammer- und Kreuzamuletten in archäologischen Funden Rückschlüsse auf die Ausbreitung des Christentums gezogen wird. Ein streitbares Thema ist dabei allerdings, welche Formen der Funde noch als Hammer oder schon als Kreuz zu definieren sind.

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Hammer und Übergangsformen

Einige Formen des Thorhammers habe Ähnlichkeit mit Kreuzen, so etwa der isländische Wolfshammer und Teile des sogenannten Hiddensee-Schatzes. Bei letzterem wir spekuliert, ob die Doppelkreuzformen nicht schon christliche Darstellungen sind, weil ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Christianisierer Harald Blauzahn dafür spricht. Dagegen spricht die gestalterische Verwandschaft mit dem berühmten Thorhammer aus Schonen in Südschweden, denn beide haben einen ähnlichen Vogel-Kopf. Zusätzlich fand man in den Hinterlassenschaften der Wikingerstadt Haithabu Modeln (Grundformen zum Anfertigen aufwändiger Schmuckstücke) mit der gleichen Doppelkreuz-Form. Vielleicht war sie einfach ein gebräuchliches Muster im westlichen Ostseeraum.

model hiddensee schonen

Der isländische Wolfshammer wird auch von der Wikinger-Handpuppe Ask getragen, und er behauptet, das dieses Stück gerade der Renner auf Island sei. Dort seien neuerdings alle zum christlichen Glauben übergetreten und deshalb hätte Ask es bei seiner letzten Handelsreise mit seinen Geschäftspartnern schwer gehabt, denn er hätte bis dahin einen klassisch-heidnischen Hammer wie seine Frau Embla getragen. Mit diesem neuen Amulett aber sei er immer korrekt gekleidet gewesen, denn man könne es sowohl als Thorshammer als auch umgedreht als Kreuz tragen! Glauben wir seiner Geschichte, bis sie widerlegt ist:-)

islandwolfshammer haithabuhammer

Auf ein friedliches Nebeneinander von Thorshammer und Kreuz deuten die Gussformen unter anderem aus Haithabu hin. In ihnen konnten sowohl Hämmer als auch Kreuze gegossen werden, je nach Kundenwunsch. Außerdem fand man dort auch einen Hammer, der eine kreuzförmige Punzierung eingearbeitet hat. Für die Heiden kam es auf einen Gott mehr oder weniger ja nicht so an, also konnte man sich auch das Symbol des neuen Gottes hinzufügen. Das mit dem Monotheismus schien sich noch nicht so erklärt zu haben.

Bis heute hat Mjöllnir nichts von seiner Faszination eingebüßt. Man trägt ihn, um kulturelle Verbundenheit zu zeigen, um für Stärke, Kraft und Ordnung im Leben zu sorgen, als Symbol des toleranten, germanischen Heidentums und sicher nicht zuletzt auch, um einen der beliebtesten germanischen Götter zu verehren.

Botschaften aus der Vergangenheit

Was wir über die Kulturen vor unserer Zeit wissen, verdanken wir oft den Funden und der Interpretation der Archäologen. Verzierte Töpferwaren, Metallgegenstände und manchmal auch Holzfragmente sind die häufigsten Zeugen dieser Kulturen. Dazu kommen speziell im Ostseeraum die mit Runen und bildlichen Darstellungen versehenen Steine. Durch diese Gegenstände wissen wir auch um die Symbolik unserer Vorfahren und können aus diesen Funden Rückschlüsse über Kulte und Spiritualität ziehen.

Symbolvitrine

Doch müssen wir uns fragen, wer von den Menschen der Vergangenheit denn wohlhabend genug für den Erwerb eines Gegenstandes wie beispielsweise eines Amulettes aus Metall war. Dieses nicht jedem zur Verfügung stehende Material wurde schließlich auch für Alltäglichkeiten wie Werkzeuge und ähnliches gebraucht. Selbst zur Anfertigung eines feinen Schmucks auch aus leicht verfügbarem Material bedarf es eines gewissen Luxus, weil man neben der täglichen Arbeit noch Zeit (und Licht) haben muss. Selbst gewebte Borten oder Stickereien waren daher nicht selbstverständlich vorhanden. Einige der uns überlieferten Funde setzen ein derartiges Handwerkskönnen voraus, dass anzunehmen ist, dass sie von spezialisierten Berufsständen angefertigt wurden, deren Arbeit man mit Tauschmitteln erhandeln konnte.

Wenn also etwas an Zeit oder Tauschwaren übrig war für Schmuckstücke, dann hatten diese eine große Bedeutung, und die ist oft mit dem Kult verbunden worden. Was wir von diesen Stücken dann finden, ist eine der Grundlagen für Rückschlüsse auf die Glaubenswelt unserer Vorfahren.

vitrine mit miniatur-hammer

Dabei muss man aber bedenken: Viel häufiger als (Edel-)Metalle werden die Menschen Holz, Knochen und Horn für ihre schmückenden Dinge verwendet haben. Diese Materialien haben selten so viele Jahrhunderte überdauert, um von uns noch erkannt zu werden. Unser Blickwinkel ist daher sehr eingeengt, was die Zeugnisse über symbolische Gegenstände betrifft. Immerhin hat es Brisingamen, der berühmte Schmuck, der meist Freya zugesprochen wird, zu einer literarischen Verewigung in der Edda geschafft.

Heute leben wir in einer Zeit, in der auch Edelmetall zu kurzlebigem Modeschmuck verarbeitet wird. Erstaunlicherweise haben die alten Formen unserer Vorfahren immer noch Wirkung auf uns. „Es hat zu mir gesprochen“ oder „Es ist in sich einfach harmonisch“ sind Reaktionen auf die Stücke, die wir als originalgetreue Repliken oder neue Entwürfe nach alten Motiven anbieten. Zur Interpretation der Bedeutung von solchen Amuletten und Replikaten können wir also auch die unmittelbare Wirkung auf uns heute zu Rate ziehen. Dazu kommen dann Erkenntnisse, die die Forschung beispielsweise von Motiven wie auf dem Kessel von Gundestrup, von Schnitzereien an den Funden von Oseberg oder von sich bis heute erhaltenen, tiefwurzelnden Traditionen wie Pferdeköpfen auf norddeutschen Bauerhäusern erhält. In jedem Fall können sie heute noch Ausdruck von spiritueller Symbolik sein.

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