Amulette und Symbole
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Botschaften aus der Vergangenheit
Was wir über die Kulturen vor unserer Zeit wissen, verdanken wir oft den Funden und der Interpretation der Archäologen. Verzierte Töpferwaren, Metallgegenstände und manchmal auch Holzfragmente sind die häufigsten Zeugen dieser Kulturen. Dazu kommen speziell im Ostseeraum die mit Runen und bildlichen Darstellungen versehenen Steine. Durch diese Gegenstände wissen wir auch um die Symbolik unserer Vorfahren und können aus diesen Funden Rückschlüsse über Kulte und Spiritualität ziehen.

Doch müssen wir uns fragen, wer von den Menschen der Vergangenheit denn wohlhabend genug für den Erwerb eines Gegenstandes wie beispielsweise eines Amulettes aus Metall war. Dieses nicht jedem zur Verfügung stehende Material wurde schließlich auch für Alltäglichkeiten wie Werkzeuge und ähnliches gebraucht. Selbst zur Anfertigung eines feinen Schmucks auch aus leicht verfügbarem Material bedarf es eines gewissen Luxus, weil man neben der täglichen Arbeit noch Zeit (und Licht) haben muss. Selbst gewebte Borten oder Stickereien waren daher nicht selbstverständlich vorhanden. Einige der uns überlieferten Funde setzen ein derartiges Handwerkskönnen voraus, dass anzunehmen ist, dass sie von spezialisierten Berufsständen angefertigt wurden, deren Arbeit man mit Tauschmitteln erhandeln konnte.
Wenn also etwas an Zeit oder Tauschwaren übrig war für Schmuckstücke, dann hatten diese eine große Bedeutung, und die ist oft mit dem Kult verbunden worden. Was wir von diesen Stücken dann finden, ist eine der Grundlagen für Rückschlüsse auf die Glaubenswelt unserer Vorfahren.

Dabei muss man aber bedenken: Viel häufiger als (Edel-)Metalle werden die Menschen Holz, Knochen und Horn für ihre schmückenden Dinge verwendet haben. Diese Materialien haben selten so viele Jahrhunderte überdauert, um von uns noch erkannt zu werden. Unser Blickwinkel ist daher sehr eingeengt, was die Zeugnisse über symbolische Gegenstände betrifft. Immerhin hat es Brisingamen, der berühmte Schmuck, der meist Freya zugesprochen wird, zu einer literarischen Verewigung in der Edda geschafft.
Heute leben wir in einer Zeit, in der auch Edelmetall zu kurzlebigem Modeschmuck verarbeitet wird. Erstaunlicherweise haben die alten Formen unserer Vorfahren immer noch Wirkung auf uns. „Es hat zu mir gesprochen“ oder „Es ist in sich einfach harmonisch“ sind Reaktionen auf die Stücke, die wir als originalgetreue Repliken oder neue Entwürfe nach alten Motiven anbieten. Zur Interpretation der Bedeutung von solchen Amuletten und Replikaten können wir also auch die unmittelbare Wirkung auf uns heute zu Rate ziehen. Dazu kommen dann Erkenntnisse, die die Forschung beispielsweise von Motiven wie auf dem Kessel von Gundestrup, von Schnitzereien an den Funden von Oseberg oder von sich bis heute erhaltenen, tiefwurzelnden Traditionen wie Pferdeköpfen auf norddeutschen Bauerhäusern erhält. In jedem Fall können sie heute noch Ausdruck von spiritueller Symbolik sein.
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Das Bild zeigt eine Nachbildung eines wikingerzeitlichen Fundes aus Haithabu bei Schleswig. Das Original befindet sich im dortigen Wikingermuseum. Auf dem Gelände der alten Wikingerstadt wurden mehrere Hammeramulette sowie Formen zur Herstellung gefunden. Mit diesen Formen konnte man sowohl Mjöllnir- wie auch Kreuzamulette herstellen.
Der Hammer “Mjöllnir” ist ein wesentliches Attribut des Gottes Thor. Er kämpft damit gegen die Riesen, also gegen die zerstörerischen und chaotischen Urkräfte. Im übertragenen Sinn sorgt Thor somit für Ordnung – eine bei Menschen sehr beliebte Eigenschaft. Beim Werfen des Hammers wird Blitz und Donner erzeugt, daher auch der südgermanische Name Donar oder die Bezeichnung „Donnerer“ für Thor. Bereits auf skandinavischen Felsbildern der Bronzezeit lassen sich mehrfach Hammersymbole entdecken, möglicherweise ein früher Hinweis auf die kultische Weihefunktion dieses Werkzeugs.
Während der Wikingerzeit wurde dieser Hammer dann fast schon inflationär genutzt. „Thor weihe diese Runen“ ist auf mehreren Runensteinen zu lesen und noch häufiger wurde anstatt dessen einfach ein Hammer abgebildet. Mjöllnir hatte aber nicht nur Weihefunktion, sondern wurde offensichtlich auch für Fruchtbarkeitsriten und Ehesegnungen verwendet. Hammer-Amulette wurden dem christlichen Kreuz nun als heidnisches Symbol entgegengesetzt, wobei die meisten dieser Stücke von Archäologen in Frauengräbern gefunden wurden.
Thor gilt auch als Fahrtengott, weshalb Mjöllnir heute gerne auch als Schutzamulett für Reisende verwendet wird.
Es gibt Darstellungen von Thors Hammer, die tatsächlich wie kleine Werkzeuge aussehen. Vielfach jedoch ähnelt die Form nicht den bekannten Hämmern, sondern weist eine Unverhältnismäßigkeit zwischen Stiel und Kopf auf. Wie es dazu kommt, versuchen Geschichten aus den Eddas zu erklären. Eine davon spielen die Handpuppen Ask und Embla gern auf Märkten, nämlich die Geschichte vom Schmieden des Hammers durch Zwerge.
Die prächtigen Repliken aus Silber, mit denen sich viele Wikingerdarsteller schmücken, entsprechen zwar musealen Vorbildern, doch stammen diese erst aus der Zeit, als kunstvoll verzierte Kreuze als Schmuck von reichen Christen vermehrt getragen wurden. Davor war ein Hammer-Amulett oft klein und schlicht aus Eisen oder Bronze. (Oder aus Holz? Siehe die These oben. Nebenbei bemerkt war das Material lange Zeit teurer als die Arbeitszeit, heute ist es oft umgekehrt.) Reiche Heiden wollten wohl nicht zurückstehen und protzten auch.
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Hammer und Übergangsformen
Einige Formen des Thorhammers habe Ähnlichkeit mit Kreuzen, so etwa der isländische Wolfshammer und Teile des sogenannten Hiddensee-Schatzes. Bei letzterem wir spekuliert, ob die Doppelkreuzformen nicht schon christliche Darstellungen sind, weil ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Christianisierer Harald Blauzahn dafür spricht. Dagegen spricht die gestalterische Verwandschaft mit dem berühmten Thorhammer aus Schonen in Südschweden, denn beide haben einen ähnlichen Vogel-Kopf. Zusätzlich fand man in den Hinterlassenschaften der Wikingerstadt Haithabu Modeln (Grundformen zum Anfertigen aufwändiger Schmuckstücke) mit der gleichen Doppelkreuz-Form. Vielleicht war sie einfach ein gebräuchliches Muster im westlichen Ostseeraum.
Der isländische Wolfshammer wird auch von der Wikinger-Handpuppe Ask getragen, und er behauptet, das dieses Stück gerade der Renner auf Island sei. Dort seien neuerdings alle zum christlichen Glauben übergetreten und deshalb hätte Ask es bei seiner letzten Handelsreise mit seinen Geschäftspartnern schwer gehabt, denn er hätte bis dahin einen klassisch-heidnischen Hammer wie seine Frau Embla getragen. Mit diesem neuen Amulett aber sei er immer korrekt gekleidet gewesen, denn man könne es sowohl als Thorshammer als auch umgedreht als Kreuz tragen! Glauben wir seiner Geschichte, bis sie widerlegt ist:-)
Auf ein friedliches Nebeneinander von Thorshammer und Kreuz deuten die Gussformen unter anderem aus Haithabu hin. In ihnen konnten sowohl Hämmer als auch Kreuze gegossen werden, je nach Kundenwunsch. Außerdem fand man dort auch einen Hammer, der eine kreuzförmige Punzierung eingearbeitet hat. Für die Heiden kam es auf einen Gott mehr oder weniger ja nicht so an, also konnte man sich auch das Symbol des neuen Gottes hinzufügen. Das mit dem Monotheismus schien sich noch nicht so erklärt zu haben.
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Drachen und Schlangen bei den Wikingern
Die Drachendarstellungen der Wikingerzeit lassen sich vielleicht am ehesten verstehen, wenn man sich die mythologischen Beschreibungen der Midgardschlange anschaut. Dieses allseits gefürchtete Ungeheuer liegt einmal um Midgard – also der Welt, in der wir Menschen leben – und wenn Sie sich bewegt, erzeugt sie Naturkatastrophen, wie riesengroße Wellen auf See, Erdbeben und anderes. Nun gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Entweder bekämpfen oder verehren. Ersteres hat – wie man ja weiß – Thor versucht und ist selbst als stärkster aller Götter gescheitert.
Was bleibt einem schwachen Menschen da noch übrig? Also versieht man seine Schiffe mit Drachenköpfen, trägt Drachenamulette und verziert allerlei anderen Kram mit Drachen. Natürlich in der Hoffnung, dass die Midgardschlange nun glauben würde, dass sie allseits verehrt werde und die Menschen deshalb in Ruhe lässt…
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